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Übergangspflege im Krankenhaus nach § 39e SGB V

Nach dem Krankenhaus ist die Versorgung zu Hause noch nicht sichergestellt — und es liegt noch kein Pflegegrad vor? Dann können bis zu zehn Tage Übergangspflege greifen.

Kurzantwort

Bis zu 10 Tage Übergangspflege — bezahlt von der Krankenkasse, ohne Pflegegrad, über das Krankenhaus.

Rechtsgrundlage: § 39e SGB V. Voraussetzung: häusliche Krankenpflege, Kurzzeitpflege, Reha oder Pflegeleistungen können „nicht oder nur unter erheblichem Aufwand“ erbracht werden.

Was ist Übergangspflege nach § 39e SGB V?

Versicherte haben nach einem Krankenhausaufenthalt einen Anspruch (kein Ermessen) auf Übergangspflege, wenn die weitere Versorgung zu Hause noch nicht sichergestellt werden kann. Die Leistung schließt direkt an die Krankenhausbehandlung an und wird in einer Einrichtung erbracht — nicht zu Hause.

§ 39e Abs. 1 SGB V (wortwörtlich):

„Versicherte haben im Anschluss an eine Krankenhausbehandlung für längstens zehn Tage Anspruch auf Übergangspflege

  1. in einer sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtung oder
  2. an einem anderen Standort eines Krankenhauses,

wenn im unmittelbaren Anschluss an die Krankenhausbehandlung in diesem Krankenhaus erforderliche Leistungen der häuslichen Krankenpflege, der Kurzzeitpflege, Leistungen zur medizinischen Rehabilitation oder Pflegeleistungen nach dem Elften Buch nicht oder nur unter erheblichem Aufwand erbracht werden können.“

Krankenkasse ≠ Pflegekasse

Übergangspflege nach § 39e SGB V ist eine Leistung der Krankenkasse (SGB V) — nicht der Pflegekasse (SGB XI). Das ist der häufigste Verwechslungspunkt. Wer „Kurzzeitpflege ohne Pflegegrad“ sucht, landet bei § 39c SGB V (ebenfalls Krankenkasse). Die „klassische“ Kurzzeitpflege nach § 42 SGB XI läuft über die Pflegekasse und setzt einen Pflegegrad 2–5 voraus — die greift hier gerade nicht.

Was ist enthalten?

Nach § 39e Abs. 2 SGB V umfasst die Übergangspflege:

  • Versorgung mit Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln
  • die Aktivierung der Versicherten
  • die Grund- und Behandlungspflege
  • ein Entlassmanagement
  • Unterkunft und Verpflegung
  • die im Einzelfall erforderliche ärztliche Behandlung

Das Vorliegen der Voraussetzungen ist vom Krankenhaus im Einzelnen nachprüfbar zu dokumentieren.

Abgrenzung: § 39e vs. § 39c SGB V vs. § 42 SGB XI

Drei ähnlich klingende Leistungen werden oft verwechselt. So grenzen sie sich ab:

Merkmal Übergangspflege
§ 39e SGB V
Kurzzeitpflege b. fehl. PG
§ 39c SGB V
Kurzzeitpflege
§ 42 SGB XI
Kostenträger Krankenkasse Krankenkasse Pflegekasse
Pflegegrad nötig? Nein Nein (kein PG 2–5 festgestellt) Ja — Pflegegrad 2–5
Auslöser direkt nach Krankenhaus, wenn andere Leistungen „nicht / nur mit erheblichem Aufwand“ möglich häusliche Krankenpflege (§ 37 Abs. 1a) reicht nicht aus, z. B. nach Krankenhaus/OP häusliche Pflege zeitweise nicht möglich
Ort im/am Krankenhaus (sektorenübergreifende Einrichtung o. anderer KH-Standort) zugelassene Pflegeeinrichtung zugelassene Pflegeeinrichtung
Dauer längstens 10 Tage Übergangszeit, Höhe/Dauer wie § 42 Abs. 2 SGB XI bis 8 Wochen/Jahr
Antragsweg über das Krankenhaus (dokumentiert Voraussetzungen) über die Krankenkasse über die Pflegekasse

§ 39c SGB V verweist für Dauer und Höhe ausdrücklich auf § 42 Abs. 2 SGB XI — das im Text so darstellen, nicht widersprüchliche eigene Zahlen erfinden.

Antragsweg & Kosten

  1. Wer stellt fest? Das Krankenhaus prüft und dokumentiert die Voraussetzungen (§ 39e Abs. 2 Satz 2 SGB V). Sprechen Sie frühzeitig das Entlassmanagement oder den Sozialdienst an — am besten schon während des Aufenthalts, nicht erst am Entlassungstag.
  2. Was sagen? Konkret: „Die Versorgung zu Hause ist noch nicht sichergestellt, häusliche Krankenpflege / Kurzzeitpflege / Reha ist gerade nicht oder nur mit erheblichem Aufwand möglich — ich möchte Übergangspflege nach § 39e SGB V.“ Die Norm namentlich zu nennen hilft, weil die Leistung wenig bekannt ist.
  3. Wo findet sie statt? In einer sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtung oder an einem anderen Standort desselben Krankenhauses — nicht zu Hause.
  4. Was kostet es? Zuzahlung nach § 61 Satz 2 SGB V (wie stationäre Zuzahlung), für längstens 28 Tage im Kalenderjahr; bereits geleistete Krankenhaus-Zuzahlungen nach § 39 Absatz 4 SGB V werden angerechnet. Zuzahlungsbefreiung und Belastungsgrenze prüfen.
  5. Danach: Reichen 10 Tage nicht, ist der nächste Schritt § 39c SGB V (Kurzzeitpflege ohne Pflegegrad) und parallel ein Pflegegrad-Antrag.

Hinweis: Die 28-Tage-Grenze in § 39e Abs. 3 SGB V betrifft nur die Zuzahlung pro Kalenderjahr — nicht die Leistungsdauer, die bei längstens zehn Tagen bleibt.

Wenn 10 Tage nicht reichen

Die Übergangspflege nach § 39e SGB V deckt nur die Lücke direkt nach dem Krankenhaus (längstens zehn Tage). Ist danach weiterhin Versorgung nötig, sind zwei Anschlusswege naheliegend:

  • § 39c SGB V — Kurzzeitpflege ohne Pflegegrad über die Krankenkasse (die Dauer richtet sich nach § 42 Abs. 2 SGB XI).
  • Pflegegrad-Antrag bei der Pflegekasse — Leistungen beginnen ab Antragstag, also früh stellen (siehe Pflegegrad rückwirkend).
  • § 34 Abs. 2 SGB XI — wer bereits Pflegegrad 2–5 hat, bekommt das Pflegegeld in den ersten 8 Wochen eines parallel laufenden Krankenhausaufenthalts voll weitergezahlt (siehe Pflegegeld bei Krankenhausaufenthalt).

Nächster Schritt

Längerfristige Unterstützung braucht oft einen Pflegegrad. Stellen Sie den Antrag so früh wie möglich — die Leistungen laufen ab dem Antragstag.

Hinweis: Keine Rechts- oder Sozialberatung, Angaben ohne Gewähr. Maßgeblich sind § 39e SGB V (sowie § 39c SGB V und § 42 SGB XI) in der jeweils gültigen Fassung. Im Einzelfall entscheiden das Krankenhaus und Ihre Krankenkasse über den Anspruch.
Wichtiger Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine individuelle Rechts- oder Sozialberatung. Das Ergebnis des Rechners ist eine unverbindliche Schätzung auf Basis Ihrer Selbsteinschätzung — den Pflegegrad stellt allein die Pflegekasse nach der offiziellen Begutachtung fest. Kostenlose, neutrale Beratung bieten die Pflegestützpunkte und die Pflegeberatung nach § 7a SGB XI.

Häufige Fragen

Bekomme ich Übergangspflege auch ohne Pflegegrad?
Ja. § 39e SGB V setzt keinen Pflegegrad voraus. Die Leistung ist genau für die Lücke gedacht, in der noch kein Pflegegrad festgestellt ist, die Versorgung zu Hause aber noch nicht sichergestellt werden kann.
Wer zahlt die Übergangspflege — Kranken- oder Pflegekasse?
Die Krankenkasse (SGB V). Das ist der häufigste Irrtum: Übergangspflege nach § 39e SGB V ist eine Leistung der Krankenversicherung, nicht der Pflegeversicherung. Die Pflegekasse zahlt erst ab Kurzzeitpflege nach § 42 SGB XI — und die setzt einen Pflegegrad 2–5 voraus.
Wie lange wird Übergangspflege gezahlt?
Längstens zehn Tage unmittelbar im Anschluss an die Krankenhausbehandlung (§ 39e Abs. 1 SGB V). Die 28-Tage-Grenze in Absatz 3 betrifft nur die Zuzahlung pro Kalenderjahr, nicht die Leistungsdauer.
Was ist der Unterschied zur Kurzzeitpflege?
Kurzzeitpflege nach § 42 SGB XI setzt einen Pflegegrad 2–5 voraus und wird von der Pflegekasse gezahlt (bis 8 Wochen pro Jahr). § 39e SGB V ist dagegen Krankenkasse, ohne Pflegegrad, und läuft längstens 10 Tage direkt nach dem Krankenhausaufenthalt. Ähnlich klingt § 39c SGB V (Kurzzeitpflege ohne Pflegegrad über die Krankenkasse) — die ist die naheliegende Anschlusslösung, wenn 10 Tage nicht reichen.
Wie beantrage ich Übergangspflege?
Über das Krankenhaus. Das Krankenhaus prüft und dokumentiert die Voraussetzungen nachprüfbar (§ 39e Abs. 2 Satz 2 SGB V). Sprechen Sie frühzeitig das Entlassmanagement oder den Sozialdienst an — am besten schon während des Aufenthalts, nicht erst am Entlassungstag. Es gibt kein eigenes Antragsformular bei der Krankenkasse.
Muss ich zuzahlen?
Ja, Versicherte ab 18 Jahren zahlen eine Zuzahlung nach § 61 Satz 2 SGB V (wie bei stationären Maßnahmen), und zwar für längstens 28 Tage im Kalenderjahr. Bereits geleistete Krankenhaus-Zuzahlungen nach § 39 Absatz 4 SGB V werden angerechnet. Die üblichen Befreiungsregeln und die Belastungsgrenze gelten entsprechend.